Ein Lebensgefühl:
Gospelmusik.

Wer den Begriff „Gospel“ hört, denkt vielleicht an die stimmgewaltigen Sängerinnen und Sänger berühmter Gospelchöre oder auch an Filme wie „Sister Act“. Doch diese Kommerzialisierung des Gospels hat erst in jüngerer Zeit begonnen.

Wer Spirituals und Gospels wirklich verstehen und möglichst authentisch singen möchte, muss weiter zurückgehen und in die Geschichte dieser Musik eintauchen. Sie ist zugleich die Geschichte der zwischen acht und zwölf Millionen Afro-Amerikaner, die ab dem 15. Jahrhundert auf Sklavenschiffen in die neue Welt verschleppt wurden. Sofern sie die Reise, die unter unmenschlichen Bedingungen vonstatten ging, überhaupt überlebten, erwartete sie in Amerika ein Leben als Zwangsarbeiter weißer Herren, die sie zur Arbeit in der Stadt oder in der Landwirtschaft heranzogen. 

Als einziges Recht wurde ihnen zugestanden, gemeinsame christliche Gottesdienste zu feiern. Während dieser Gottesdienste, aber auch bei der Arbeit auf den Plantagen wurde gesungen und getanzt. Rhythmisches Klatschen und Stampfen begleitete die so genannten Negro Spirituals, in denen die Menschen Freud, Leid und ihre Hoffnung auf ein Leben in Freiheit teilten. 

Natürlich durften sich die Lieder der Arbeiter nicht offen gegen die Sklaverei wenden. So besangen die versklavten Afrikaner die befreiende Zukunft und das erlösende "Jenseits" meist nur versteckt zwischen den Zeilen.
 


Ruf nach Freiheit

Die Spirituals dienten zugleich zur Übermittlung verschlüsselter Botschaften an die zahlreichen Fluchthelfer, die gegen Mitte des 19. Jahrhunderts den Sklaven halfen, ihrem Elend zu entkommen und den Norden Amerikas zu erreichen. Die Begriffe „my home“, „sweet home“ oder auch „promised land“ stehen für die Gebiete nördlich des Ohio, der in den Spirituals „Jordan“ hieß.

Mit der Abschaffung der Sklaverei 1865 bildeten sich neue Kirchen in den USA, die die Tradition der schwarzen „Praise Houses“ fortsetzten. Zur gleichen Zeit begannen auch Komponisten und Songschreiber, sich mit den Spirituals zu beschäftigen. Die bislang nur mündlich überlieferten Stücke wurden nun erstmals niedergeschrieben und zum Teil neu arrangiert.

Um 1925 entstand eine poetische und musikalische Bewegung der Schwarzen in Amerika, die als Black Renaissance bezeichnet wird. Sie wurde getragen von dem Wunsch nach Rückbesinnung auf afro-amerikanische Geschichte, Werte und Traditionen. Die historischen Bezüge des Spirituals wurden stärker betont und weiterentwickelt. Daraus entstand eine neue Form christlicher Songs, die Gospels.
 


Das Wort Gottes

Der Ausdruck Gospel stellt eine Verkürzung der Worte "God's spell" (Gottes Wort) dar. In Amerika werden noch heute immer wieder neue Gospels komponiert und in der Kirche gesungen. Sie sind Glaubensbekenntnisse, die inhaltlich aber nur noch wenig mit den ursprünglichen Spirituals gemein haben.

Zwar werden Gospel- & Spiritualmusik meist in einem Atemzug genannt, doch gibt es wesentliche Unterschiede:

Die Spirituals entstanden in freier Improvisation beim gemeinschaftlichen Singen und wurden mündlich überliefert, während der größte Teil der Gospel Songs komponiert wurde. Die Geschichten des Alten Testaments lieferten die Grundlage der meisten Spirituals, während Gospels sich gewöhnlich auf den Leidensweg Jesu Christi und die Botschaft des Neuen Testaments beziehen.

Spirituals erklangen meist unbegleitet, d.h. 'a cappella'. Die neu entstandenen Gospelsongs wurden dagegen zunehmend instrumental begleitet. Sie sind zudem vom Jazz beeinflusst und wirken dadurch noch rhythmischer, dynamischer und vitaler als die meisten Spirituals.

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